Der Auftauzyklus (Kryozyklus)

Aus den Laborprotokollen geht hervor, wieviele befruchtete Eizellen (Zygoten) kryokonserviert werden konnten. Wieviele davon dem Paar noch für weitere Auftauzyklen zur Verfügung stehen, kann zudem jederzeit aus der Labor-Datenbank erfragt werden.

Ist ein Stimulationszyklus erfolglos verlaufen, kann das Paar frühestens nach 2 Monaten auf die kryokonservierten befruchteten Eizellen zurückgreifen. Da nurmehr das Endometrium stimuliert werden muss, gestaltet sich der Auftauzyklus gegenüber dem Stimulationszyklus wesentlich einfacher. Grundsätzlich können verschiedene Wege beschritten werden:

  • Embryo-Transfer (ET) innerhalb eines Nativ-Zyklus
  • ET in stimuliertem Zyklus (z. B. FSH/Aromatasehemmer)
  • ET und Endometriumsaufbau mit Progynova und Utrogestan/Crinone

 

ET innerhalb eines Nativ-Zyklus (Pat. mit funktionell guten Zyklen):

 

Hat eine Patientin bekanntermassen einen funktionell guten Zyklus, kann die Reifung eines Follikels und vor allem der Endometriumsaufbau vaginalsonografisch kontrolliert werden. Hat der Follikel eine Mindestgrösse von 18mm im mittleren Durchmesser erreicht und ist das Endometrium gut 9mm aufgebaut, wird die Ovulation mit HCG 10’000 E ausgelöst. Der ET kann 4 Tage danach vorgenommen werden (vgl. nachstehend «Organisatorisches»).
Sind die Eileiter durchgängig, besteht prinzipiell höhergradiges Mehrlingsrisiko.

 

ET in stimuliertem Zyklus (Pat. mit Anovulation):

 

Prinzipiell identisches Vorgehen wie im Nativ-Zyklus, die Follikelreifung und damit die Endometriumsstimulation wird jedoch z. B. mit FSHoder Aromatasehemmer unterstützt, im Sinne einer monofollikulären Stimulation, ET-Timing wie oben.  Von einer Clomifen-Stimulation ist nach unserer Erfahrung eher abzusehen, da sich die antiöstrogene Wirkung oft negativ auf die Endometriumsentwicklung auswirkt.
Sind die Eileiter durchgängig, besteht prinzipiell höhergradiges Mehrlingsrisiko.


ET nach Down-Regulation und Endometriumsaufbau mit Progynova und Utrogestan/Crinone:

 

Hat eine Patientin einen funktionell ungenügenden Zyklus, der auch mit FSH nicht optimiert werden kann, muss ein künstlicher Zyklus gestaltet werden.

 

Vorgehen

 

Gem. nachstehendem Protokoll kann mit Progynova Dr. à 2mg der Endometriumsaufbau vorgenommen werden. Ab Tag 2 Progynova-Einnahme3 x 2mg/Tg. Tag 8-12 wird die Dicke des Endometriums gemessen. Diese sollte mindestens 9–10mm betragen. Ist dies nicht der Fall, werden noch einige (3–5) Tage weitersubstituiert und danach die Endometriumsdicke eneut bestimmt. Ist die Zielgrösse von 9 oder mehr Millimetern erreicht, kann das im Protokoll vorgesehene Utrogestan/Crinone vaginal zugeführt werden. Der ET ist für Tag 14 bis 21 vorzusehen.
Nach dem ET geht die Medikation weiter,bis zum Schwangerschaftstest (Serum-b-HCG) . Jeder positive Wert sollte weiterverfolgt werden. Die Pogynova / Utrogestan-Medikation ist im Falle einer Schwangerschaft bis zur 12. Woche weiterzuführen.

 


Organisatorisches zum Auftau-Zyklus

 

Das für die Patientin zuständige Mitglied des IVF-Teams informiert das IVF-Labor mindestens drei Tage vor dem geplanten Embryotransfer über den Zeitpunkt.

Einen Tag vor dem geplanten Embryotransfer werden in den meisten Fällen zwei der kryokonservierten Zygoten aufgetaut und auf ihre Vitalität beurteilt. Sind die aufgetauten Zygoten nicht mehr vital, werden nach Möglichkeit weitere Zygoten aufgetaut und beurteilt. Sind die Zygoten morphologisch unauffällig, werden sie für weitere 24 Std. im Brutschrank inkubiert und am folgenden Morgen beurteilt.

Die Patientin kann sich 2–3 Std. vor dem geplanten Embryotransfer im IVF-Labor über die Qualität der Embryonen informieren (Tel. 031/300 95 41). Bei dieser Gelegenheit wird auch die genaue Transferzeit festgelegt. Kurz vor dem Embryotransfer werden die Embryonen erneut beurteilt und anschliessend transferiert.

Die Überlebensrate nach Kryokonservation und Auftauen beträgt ca. 70%. Die zu erwartende Schwangerschafts-Rate ist tiefer als beim Transfer von «frischen» Embryonen und liegt bei ca. 20% - 25%. Gleichzeitig wird auch eine erhöhte Abortrate beobachtet.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
18.10.2017

 

Dr. med. E. Berger-Menz
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